Sonntag, 3. Juni 2018

Wie die Sonne in der Nacht | Antje Babendererde

Werbung | Rezensionsexemplar

[Rezension] Wie die Sonne in der Nacht | Antje Babendererde



Wie die Sonne in der Nacht | Antje Babendererde | Arena | 474 Seiten | 18,00€

Am Ende ihres Austauschjahres in New Mexico sucht Mara das Abenteuer. Und es fällt ihr buchstäblich vor die Füße: in Gestalt eines verletzten Jungen mit rabenschwarzem Haar, der ohne Gedächtnis ist und ohne Sprache. Einzig an seinen Namen kann er sich erinnern – Kayemo. Gemeinsam brechen die beiden in die Wildnis auf. Sie entdecken geheime Orte der Pueblo-Indianer und Spuren, die in Kayemos Vergangenheit führen. Mit jedem Schritt dringen mehr dunkle Geheimnisse an die Oberfläche. Geheimnisse, die die wachsenden Gefühle zwischen Mara und Kayemo unmöglich zu machen scheinen. Aber längst schlagen die Herzen der beiden füreinander...


Mara und Kayemo – eine unmögliche Liebe, die Grenzen überwindet.

Liebe birgt immer das Risiko des Verlustes in sich, doch dieses Risiko einzugehen, bedeutet zu leben.“

Mara und Kayemo könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie blass und mit störrischen, roten Haaren. Eine Weltverbesserin die an das Gute im Menschen glaubt und Dinge bewegen will. Kayemo mit dunkler Haut und dunklem Haar, ein Pueblo-Indianer, hält an seiner Vergangenheit, seinem Schicksal und seinen Traditionen fest.
Trotzdem geraten ihre beiden Welten ins Wanken, als sie sich das erste Mal begegnen und sich rettungslos ineinander verlieben. Ein Abenteuer in der amerikanischen Wildnis beginnt, dass sie beide nicht nur näher zusammenbringt, sondern auch eine Reise in dunkle Abgründe bedeutet...

Ich mag die Bücher von Antje Babendererde ja sehr gerne und von daher war mir das Setting ihres neuen Buches nicht neu. Ich lese gerne über indianische Kulturen in der heutigen Zeit und war daher gespannt, was „Wie die Sonne in der Nacht“ für uns bereithalten würde.
Wir begleiten hier unsere Protagonistin Mara, die ein Austauschjahr in New Mexico, Albuquerque macht. Sie ist ein wahres Energiebündel und eine Weltverbesserin, die wir gleich am Anfang des Buches sehr gut kennenlernen. In Deutschland ist Mara immer wieder mit ihren Eltern angeeckt, die mit ihrer oft sehr radikalen Methode, den Menschen die Probleme dieses Planeten näher zu bringen, nicht einverstanden sind und auch ihren ersten Freund Nils nicht mögen, der ihr diese Gedanken überhaupt erst in den Kopf gesetzt hat. Sie fühlt sich unverstanden und somit kommt ihr der Schüleraustauschs gerade richtig. 
In New Mexico fühlt sie sich willkommen und gut aufgehoben, was nicht zuletzt an ihrer liebevollen Gastfamilie liegt. Wäre da nicht die Sache mit Nils, der sich eine neue angelt, kaum dass sie aus dem Lande ist. Tief getroffen und traurig spielt Mara mit dem Gedanken, den geplanten Trip in die Wildnis alleine durch zu ziehen und wünscht sich ein letztes großes Abenteuer, bevor sie zurück in ihr altes Leben muss.
Wie das Schicksal es so will, findet Mara eines Tages auf dem Nachhauseweg einen verletzten indianischen Jungen am Straßenrand, der sich nur an seinen Namen zu erinnern scheint: Kayemo.
Er ist verletzt, verwirrt und kann sich nicht erinnern, was ihm zugestoßen ist. Er weiß nur, dass er verletzt ist und wichtige Informationen über seine Familie braucht. Die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und schließlich folgt Mara ihm in die Wildnis New Mexicos auf der Suche nach seiner Familie und seinen Erinnerungen.

Ich fand die Geschichte der beiden wirklich schön erzählt, was nicht zuletzt an Antje Babendererdes wundervollem Schreibstil liegt. Sie weiß, wie man den Lesern eine Geschichte nahe bringt und ich war beim Lesen komplett in diesem wilden und wunderschönen Land gefangen. Man erfährt hier nicht nur viel über die indianische Kultur und bekommt geschichtliche Hintergründe geliefert, man verfolgt auch die wunderschöne Liebesgeschichte zweier Menschen, die so verschieden sind wie Tag und Nacht und die trotzdem zusammengehören.

Einziger Minuspunkt, den ich diesem Buch leider abziehen muss, ist die charakterliche Entwicklung der Protagonisten:
Am Anfang lernen wir Mara als gefühlvolle, aber auch temperamentvolle junge Frau kennen, die weiß, was sie will. Sie findet die richtigen Worte, um dem scheuen Kayemo Sicherheit zu geben und erarbeitet sich auf diese Weise sein Vertrauen. Als es aber zu einem Schlüsselpunkt der Geschichte kommt, an dem sich die beiden bereits in der Wildnis befinden, ändert sich ihr Charakter schlagartig: Sie ist auf einmal launisch und aufmüpfig und reagierte auf viele Äußerungen Kayemos mit Spott und Unverständnis. Ich habe mich wirklich gefragt, wo die Mara aus den ersten Kapiteln hin ist.
Genau ging es mir bei Kayemo. Am Anfang war er sehr verwirrt und ängstlich, konnte sich kaum in der Welt zurechtfinden und stelle sich in der Öffentlichkeit ziemlich tollpatschig an. Sobald die beiden allerdings in der Wildnis wahren, fand er seine Sprache wieder und wurde auf einmal zu einem allwissenden Anführer, der Mara vor jeder Gefahr beschützte, der alles erklären konnte und der vor allem von Maras neugierigen Fragen genervt war. Keine Spur mehr von der anfänglichen Angst vor diesem Mädchen, das ihn mit den roten Haaren an eine Hexe erinnert hat.
Im Endeffekt war dieser charakterliche Wandel der beiden nötig, um die Geschichte weiter voran zu bringen und ich mochte unsere Protagonisten nach wie vor gerne. Allerdings ging mir der Wandel wirklich zu schnell. Von einem Kapitel auf das andere waren aus dem beiden zwei unterschiedliche Menschen geworden und man fragte sich als Leser: „Wann ist das passiert?“

Alles in allem hat mir das Buch trotz einiger Länge zum Ende hin gut gefallen. Man konnte sich praktisch in die Geschichte hineinfallen lassen und ist nur so durch die Seiten geflogen. Dazu bringt die Geschichte wichtige Themen wie Umweltschutz und Klimawandel näher und veranschaulicht auf interessante Art und Weise, dass jeder Mensch einen eigenen Auftrag hat, seinen Teil an der Erhaltung der Erde zu leisten. Außerdem erfährt man etwas über die Kultur der Indianer des heutigen Amerikas, was ich wahnsinnig interessant finde. Nicht nur ihre Riten und Bräuche werden hier beschrieben, sondern auch ihre Mythen und Denkweisen.
Auch die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten war schön geschrieben, ohne dabei zu kitschig zu werden oder sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. 
Ich kann das Buch auf jeden Fall jedem ans Herz legen, der sich für indianische Kultur interessiert und eine lockere Jugendlektüre lesen will, die mit tollen Protagonisten an fremde und geheimnisvolle Orte entführt.

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