[Rezension] Die Königschroniken - Ein Reif von Eisen

[Rezension] Die Königschroniken - Ein Reif von Eisen | Stephan M. Rother



Die Königschroniken - Ein Reif von Eisen | Stephan M. Rother | Rowohlt | 375 Seiten | 14,99€

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Im Kaiserreich der Esche herrscht Unruhe. Die Blätter des heiligen Baumes beginnen zu welken – ein Machtwechsel steht kurz bevor. Stammesfürst Morwa sucht in der düsteren Zeit die Völker des Nordens unter seinem Banner zu einen. Nur einen Stamm gilt es noch zu besiegen. Eile ist geboten, er spürt sein Ende nahen. Einzig die Kräfte der Sklavin Ildris erkaufen ihm eine letzte Frist. Doch welchem seiner Söhne soll er den Reif des Anführers anvertrauen? Die falsche Entscheidung könnte die Welt in Dunkelheit stürzen.
Zur selben Zeit will die junge Leyken aus dem Oasenvolk des Südens einen Schwur erfüllen: Sie begibt sich auf die Suche nach ihrer Schwester und fällt dabei in die Hände von Söldnern. Kurz darauf findet sie sich in der kaiserlichen Rabenstadt im Netz höfischer Intrigen wieder.
In der längsten und kältesten Nacht des Jahres spitzen sich die Ereignisse zu, das Schicksal der Welt liegt in den Händen dreier Frauen: Ildris’, die ein Geheimnis mit sich trägt, der ehrgeizigen Leyken und Morwas unehelicher Tochter Sölva. Können sie gegen die Dunkelheit bestehen? Kann eine von ihnen das Land aus der Dunkelheit führen?



Hallo zusammen!

Ich habe heute wieder eine Rezension für euch und zwar zu dem ersten Teil der "Königschroniken" "Ein Reif von Eisen", welches mir vom Verlag netterweise zur Verfügung gestellt wurde. 

Mich hat dieses Buch vor allem deswegen neugierig gemacht, weil viele es als die deutsche Antwort auf "Das Lied von Eis und Feuer" von George R R Martin gesehen haben und tatsächlich haben die beiden Werke einiges gemein, obwohl ich die Aussage trotzdem nicht komplett so unterschreiben würde.
Warum erzähle ich euch jetzt:

In "Die Königschroniken - Ein Reif von Eisen" befinden wir uns in einer typischen High-Fantasy-Welt, auch wenn die Bewohner dieser Welt so gut wie alle menschlich sind. 
Wir verfolgen im Laufe der Geschichte mehrere Erzählstränge, die in komplett unterschiedlichen Teilen dieser Welt spielen und auf den ersten Blick erst mal nicht viel miteinander zu tun haben, im Laufe des Buches allerdings immer weiter zusammenlaufen.

Als erstes wäre da das Mädchen Sölva aus den Nordlanden, die uneheliche Tochter des Stammesführers Morwa, der sich mit seinem Heerbann samt Tross auf der Reise befindet, die letzten unabhängigen Völker des Nordens zu unterwerfen und unter seinem Banner zu einen. Denn er will es sein, der als erster König, der den Norden einte, in die Geschichten eingehen wird. 
Was allerdings niemand im Tross ahnt: Morwas Tage sind gezählt, denn eine unaufhaltsame Krankheit breitet sich in seinen Adern aus, die ihn von Tag zu Tag schwächer werden lässt. Einzig die magischen Kräfte der geheimnisvollen Sklavin aus dem Süden erkaufen ihm wertvolle Zeit. Denn bevor er sein Werk nicht vollendet und sein Erbe an einen seiner vier Söhne abgegeben hat, kann er nicht von dieser Welt gehen oder all der Krieg wäre umsonst gewesen. 

Parallel dazu verfolgen wir die Geschichte des jungen Diebes Pol, der in der Handelsstadt Carcosa weit im Süd-Westen der Welt lebt und der sich durch Tricks und Hinterlist über Wasser hält und so gut wie jede noch so verborgene Gasse der Stadt am Meer kennt. 
Was er allerdings nicht ahnt: Sein Schicksal ist weit aus mehr mit dem Land verbunden, als er es sich hätte vorstellen können, denn die vergessenen Götter zürnen und nur eines kann ihren Zorn besänftigen. 

Die junge Leyken aus dem Oasen-Volk der Wüste weit unten im Süden bricht mit einer Bürde und einem Versprechen in die kaiserliche Rabenstadt auf, um den letzten Willen ihres Vaters zu erfüllen und ihre verschleppte Schwester zu finden. Kurz vor dem Ziel allerdings gerät sie in die Hände von Söldnern, die sie in die Rabenstadt verschleppen, wo sie sich als bald zwischen Intrigen und Bündnissen wiederfindet und schleunigst versuchen muss, ihre neue Position zu verstehen. 

Ich kann es schon nachvollziehen, warum genau diese Reihe als Pendant zu "Game of Thrones" gesehen wird, weil wir hier sehr sehr viele Personen haben, die alle irgendwie miteinander zusammenhängen und wir immer abwechselnd bestimmte Personen und ihre Geschichte verfolgen. Allerdings muss ich sagen, dass dieses Buch weitaus weniger tiefgehend ist als "Game of Thrones". Im Prinzip die große Story hinter den "Königschroniken" der Zorn der alten Götter, der auf die Welt gezogen wurde und die nahende Dunkelheit der Raunacht, der kältesten und dunkelsten Nacht des Jahres, vor der sich alle fürchten und die eine Macht entfesselt, der nicht mehr mit Waffen entgegenzutreten ist. Jeder der Personen in diesem Buch verfolgt seine ganz eigenen Ziele und eigentlich ist es einem Volk so ziemlich egal, was das andere tut. So interessiert es die Männer der Nordlande wenig, was zur Zeit in der kaiserlichen Rabenstadt passiert sondern konzentrieren sich komplett darauf, die Nordlande unter einem König zu vereinen. 

Ich habe dieses Buch aber auch nicht in der Erwartung gelesen, dass es an "Game of Thrones" heran kommen wird, denn es hat nun einmal nur knapp 400 Seiten, diese aber vollgepackt mit einer wahnsinnig dichten, abwechslungsreichen, geheimnisvollen und gefährlichen Geschichte, die sich um Einzelschicksale genauso bemüht wie um das große Ganze. Man verfolgt Personen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und trotzdem hängt alles irgendwie zusammen und ich bin wahnsinnig gespannt, was der Autor im zweiten Band für uns bereit hält. 

Ich hatte zu Beginn zwar einige Schwierigkeiten, in den Schreibstil herein zu finden, was aber nach den ersten 50 Seiten absolut kein Problem mehr war. Stephan M. Rother schreibt sehr ausführlich und detailliert und sein Schreibstil selber ist schon ein kleines Kunstwerk für sich, auf das man sich einlassen muss. 
Wo ich allerdings sofort drin war, war die Welt dieser Geschichte. So verschieden die einzelnen Teile auch sein mögen, so perfekt fügten sie sich in das Gesamtbild ein und ich habe jede Seite genossen, auf der ich in dieser Welt sein durfte. Ich habe die klirrende Kälte und den Hunger der Nordlande gespürt, das Flair einer Handelsmetropole am Meer miterlebt, in der die Kluft zwischen arm und reich gewaltig ist und ich habe die sengende Hitze der Wüste erlebt, in der das Oasen-Volk zuhause ist. Ich konnte mich in die Personen hinein versetzen, habe mit ihnen gehofft, gezittert und gekämpft und viele von ihnen wirklich lieb gewonnen. 

Wenn ich mir einen Erzählstrang aussuchen müsste, den ich am allerliebsten mitverfolgt habe, denn ist es die Geschichte von Sölva und ihrem Vater Morwa, ihrer besten Freundin Terve und dem gesamten Tross mit dem sie unterwegs waren, der so loyal hinter ihrem Anführer steht und in dem es trotzdem Intrigen und Geheimnisse gibt, die sich vor allem um Morwas Nachfolger drehten. 

Pols Geschichte mochte ich auch sehr gerne, weil ich mich in der Stadt Carcosa auch sehr wohlgefühlt habe, allerdings hatte ich das Gefühl, dass seine Geschichte etwas kurz behandelt wird. Ich hoffe sehr, dass im zweiten Teil noch mehr dazu erzählt wird, denn auch er befindet sich ebenfalls auf einer spannenden gefährlichen Reise und ich würde schon gerne wissen, wie es mit ihm weitergeht. ;)

Leykens Geschichte mochte ich zwar ganz gerne, aber irgendwie habe ich sie nicht wirklich verstanden. Leyken selber war mir auch nur halbwegs sympatisch, weil sie mir sehr zurückgezogen vorkam und nicht die Kämpferin war, für die ich sie im ersten Moment gehalten habe. Außerdem verstehe ich ihre neue Aufgabe in der Rabenstadt nicht so ganz und die Stadt selber war mir auch ein wenig zu verworren um großartig einen Sinn dahinter zu erkennen. Es wurde zwar vieles als gegeben hingestellt und einiges auch geheimnisvoll umschrieben, aber so ganz wollte sich das Bild nicht klären, dass ich mir versucht habe aus Leykens Geschichte zu machen.

Trotzdem kann ich das Buch wirklich nur weiterempfehlen, gerade wenn ihr gerne High-Fantasy lest aber es nicht so mit Elfen und Trollen habt. Ich finde, dass dieses Buch ein bisschen zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, denn ich habe es von vorne bis hinten genossen und bin schon sehr gespannt auf den zweiten (und letzten?) Teil, der Mitte Januar erscheinen wird.  

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