[Rezenion] Niemand liebt November




Hallo zusammen, 

heute gibt es die Rezension zu einem unglaublich tollen Buch, was ich wirklich sehr ans Herz legen möchte.
Und zwar handelt es sich um "Niemand liebt November" von von Deutschlands größter Geschichtenerzählerin Antonia Michaelis.



Das Cover ist doch alleine schon ein Traum, mit dem Herbstlaub und der nebelige, verregnete Park.
Da wirkt das orange-gelbe Zelt zwischen den Bäumen doch gleich viel wärmer und einladender und man möchte am liebsten hinein kriechen und ein bisschen bleiben.
Wenn man die Geschichte gelesen hat, bekommt dieses Zelt erst recht eine besondere Bedeutung, denn es ist ein Symbol der Hoffnung in einer scheinbar hoffnungslosen Welt.

In diesem Buch geht es um die 17-jährige Amber Lark, genannt November, die sich obdachlos und ohne Eltern durchschlagen muss. Sie wurde vor vielen Jahren in der damaligen Wohnung einfach zurückgelassen und nachdem sie in verschiedensten Pflegefamilien und Jugendheimen gelebt hat, ist sie nun abgehauen und hat sich auf die Suche nach ihren Eltern gemacht.
Im Gepäck hat sie nur eine kleine graue Katze und eine alte Streichholzschachtel, die aus der mysteriösen Kneipe "The Botteld" stammt und auf der eine Handynummer geschrieben steht.
In ebendieser Kneipe trifft sie Katja, den mysteriösen Kneipenwirt mit seinem zerzottelten Hund, von dem sie nie wirklich weis, was genau sie von ihm halten soll. Immer ist er für sie da und immer wieder warnt er sie, dass sie auf sich aufpassen soll. November fühlt sich in seiner Gegenwart sonderbar geborgen und sicher. Doch ist er wirklich ein Freund oder steckt er etwa sogar hinter den anonymen Drohbriefen, die sie immer wieder findet?
Hilfe erhofft sich November von dem geheimnisvollen Jungen, der in einem warmen, hell erleuchteten Zelt sitzt und ein Buch liest. Sie hat das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen und doch löst er sich jedes Mal in Luft auf, wenn November sich dem Zelt nähert ...
Gibt es vielleicht doch Risse in der Realität, durch die Menschen einfach verschwinden und nie wieder auftauchen?

Ich kann dieses Buch gar nicht zusammenfassen, so unglaublich viel ist in dieser Geschichte enthalten.
Es wühlt einen emotional auf und nimmt einen mit, wie es nur ein Buch von Antonia Michaelis kann. Ihr unglaublich poetischer Schreibstil macht diese Geschichte noch viel mehr zu etwas besonderem und wenn wir sie lesen, dann macht alles auf einmal Sinn. Vielleicht gibt es wirklich Risse in der Realität und Menschen verschwinden, weil sie hindurchgegangen oder reingefallen sind und dann können sie nicht mehr zurück. Und all diese Risse müssen erst geschlossen werden, bevor man jemanden wieder finden kann. 
So wie der Junge im Zelt, den sie nur deswegen nicht erreichen kann, weil er in einer anderen Realität feststeckt und den Rückweg nicht findet.
November ist davon überzeugt das alles wieder gut wird, sobald sie ihre Eltern findet. Und sie setzt alles daran diese beiden Menschen auch wirklich zu finden.
Ein großer Drehpunkt der Geschichte ist das Bottled, die Kneipe, in der November immer wieder Unterschlupf findet und in der sie von Katja immer wieder aufgenommen wird. 
Doch das Bottled wird auch bald ein Ort, an dem November auf die dunkle Schiene des Lebens abrutscht und sich auf einiges einlässt, damit sie das Geld zusammenbekommt, um der Spur ihrer Eltern weiter zu folgen. 

Ich war wirklich sehr beeindruckt von November, weil sie eine unglaublich starke Person ist, die sich durchzusetzen weis, obwohl sie gleichzeitig sehr verletzlich und jung ist. 
Sie weis sich in der rauen Wirklichkeit durch zu schlagen und nimmt allerlei Schicksalsschläge tapfer entgegen. 
Allerdings fand ich sie teilweise auch ziemlich naiv, weil sie an manche Dinge einfach sehr blauäugig herangegangen ist, frei nach dem Motto "wird schon nichts passieren", und es gab einige Szenen, in denen eben doch was passiert ist. 

Ich war mir die ganze Geschichte über nie sicher, wie sie enden würde und ich hatte teilweise wirklich Angst davor, was noch geschehen würde. Ich hatte ein bestimmtes Ende im Kopf, von dem ich befürchtet habe, dass es eintreffen wird. 
Allerdings wurde ich mal wieder überrascht von einigen Wendungen, die man so nicht hatte voraussehen können. Gerade zum Ende hin sind Dinge passiert, die auf einmal alles ins rechte Licht gerückt haben und die auf einmal allem einen logischen, rationalen Sinn gegeben haben. 
Ich weis nicht, ob man das Ende als komplettes Happy End bezeichnen kann, denn ich hatte nach dem Lesen nicht dieses Hochgefühl, dass man bekommt, wenn eine Geschichte sich zum guten wendet. 
Ich habe mich irgendwie ausgenüchtert und irgendwie kraftlos gefühlt, als wäre man die ganze Zeit unter Spannung gewesen und kann nun endlich aufatmen. 
Wie das ganze Buch über schon, gab es am Ende auch wieder diesen einen Funken von Hoffnung und etwas Positivem, der immer vorhanden war und an den man sich die ganze Zeit über geklammert hat. 
Und ich glaube, dass das auch ein wenig die Botschaft dieses Buches ist:
Dass es immer Hoffnung gibt, egal wie dunkel und schlecht die Zeiten auch sein mögen.

Ich kann dieses Buch nur mit vollen fünf Sternen bewerten, weil es mich einfach mal wieder umgehauen hat.
Ich kann immer nur wieder betonen, dass Antonia Michaelis eine der besten deutschen Autoren ist und dass ich bei einem Buch von ihr einfach weis, dass es mich begeistern wird.




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