[Rezension] Girl Parts - Auf Liebe programmiert | John M. Cusick



Rose wird frei Haus geliefert. Denn sie ist kein normales Mädchen. Sie ist ein Roboter, eine Gefährtin, geschaffen um den einen Jungen für immer und ewig zu lieben, auf den sie programmiert wurde. So treffen sich Rose und David, bei dem eine soziale Störung festgestellt wurde. Rose ist nun dafür da, ihn zu lieben und ihm Sozialverhalten beizubringen, insbesondere das zwischen Jungs und Mädchen ... Eine bittersüße Geschichte um das Bedürfnis nach Sex, Liebe und Freundschaft und die Frage: Was macht einen Menschen menschlich?


"Der Raum war leer und schwarz bis auf das blaue Auge des Computers und den gelben Spalt unter der Tür."


Als ich das Buch angefangen habe, hat es mir zuerst leider überhaupt nicht gefallen. Die gesamte Stimmung war sehr beklemmend und gefühlskalt, was nicht zuletzt auch dem sonderbaren Einstieg im ersten Kapitel zu verdanken ist. 
Ich denke, es sei ohne zu spoilern gesagt, dass nicht viele Bücher mit dem Selbstmord eines jungen Mädchens beginnen, die noch dazu ihr Ableben live im Internet aufzeichnet. 

Während der ersten Kapitel lernen wir schnell die drei entscheidenden Protagonisten kennen, die erstaunlich echt auf den Leser wirken, was die ganze Situation jedoch nur noch unangenehmer macht, da es nicht schwer fällt, sich vorzustellen, wie leicht all das in unserem eigenen Leben passieren könnte.

Ich habe das Buch nach gut einem Drittel unterbrochen, weil es mich stimmungsmäßig einfach komplett runter gezogen hat und hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass ich es irgendwann einmal weiter lesen möchte.
Allerdings hab ich vor kurzem dann doch entschieden, der Geschichte noch eine Chance zu geben, zu mal nur noch 200 Seiten fehlten und ich es somit schnell beenden konnte.

Und ich muss ehrlich sagen, dass das Buch von da an immer besser wurde. 
Wir tauchen immer weiter ein, in die innere Gedankenwelt und in die Gefühle der Hauptcharaktere David, Charlie und Rose und immer wieder werden wir vor Fragen gestellt, die uns nachdenklich machen:
Was macht uns menschlich? Kann ein Mensch eine Maschine lieben? Kann eine Maschine selber überhaupt lieben? Wie viel körperliche Nähe braucht eine Beziehung?

Sehr beeindruckt hat mich der Charakter des Roboter-Mädchens Rose, die im Laufe der Geschichte immer menschlichere Gefühle und Verhaltensweisen entwickelt, obwohl sie nie ein wirklicher Mensch sein wird, auch wenn sie noch so täuschend echt aussieht.
Mit der Zeit wirkt sie nicht mehr ganz so fokussiert auf David, den Jungen, dem sie als Gefährtin zugeteilt wurde. Sie schließt Freundschaften, trifft mehr und mehr selbstständige Entscheidungen und entwickelt einen immer menschlicheren Charakter, bis sie nicht mehr der perfekt programmierte Roboter ist. 

Doch genau an diesem Punkt nimmt das Buch auch seine Wendung. Eine nicht allzu unerwartete, aber dennoch drastische Wendung. 
Obwohl die Geschichte von David und Charlie zu einem akzeptablen Endpunkt kommt, fragen wir uns doch, wie es mit Rose weiter geht. 

Der Autor verweist auf der letzten Seite darauf, dass ein weiterer Band in Planung ist, in dem wir erfahren werden, wie es um Rose steht. 
Allerdings hat der Verlag mir auf meine Email geantwortet und bestätigt, dass die Reihe nicht weiter fort geführt wird.
Mittlerweile ist dieser erste Band auch nur noch als Ebook erhältlich, als Printausgabe nur noch gebraucht.
Allerdings bin ich mir auch nicht sicher, ob ich überhaupt Interesse hätte, den zweiten Band zu lesen...

Allein auf die Geschichte reduziert, ist dieses Buch keine große Überraschung und auch nichts, was einen nicht mehr loslassen würde. 
Dieses Buch glänzt mit den moralischen Fragen, die es stellt, und mit denen sich der Leser oft konfrontiert sieht, allerdings war es für mich mehr beklemmend als bereichernd und alles in allem fehlte es der Geschichte dann doch an der Umsetzung, daher gebe ich diesem Buch drei von fünf Sternen. 








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